Lernen Interaktiv

Halbzeitpfiff

Hinterlasse einen Kommentar


Heute ist der Tag gekommen, an dem der Halbzeitpfiff ertönt: 2,5 Monate Masterarbeit liegen hinter mir, 2,5 arbeitsreiche Monate noch vor mir. Zeit ein Resümee aus meinen bisherigen Erkenntnissen zu ziehen!

In dem ersten – bereits geschriebenen – Teil meiner Arbeit beschäftige ich mich mit den historischen Ursprüngen und den Gestaltungsdimensionen des gedruckten Lehrbuchs. Die erste überraschende Erkenntnis, die im direkten Zusammenhang mit dem Titel meiner Arbeit steht: Mobil, Verlinkt, Interaktiv – diese Merkmale beschreiben ohne Frage auch das gedruckte Buch.

Denn Gutenberg und der moderne Buchdruck machen das gedruckte Buch erschwinglich und mobil. Das Buch wird zum Massenmedium, dass jeder jederzeit jederorts nutzen kann. Parallel dazu entwickelt es sich zu einer nahezu unerschöpflichen Quelle des Wissens. Zur Sicherung und zur Weiterentwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse werden Normen geschaffen, die ein Buch eindeutig adressieren.  Titelblatt, Paginierung  und  Autorenschaft hängen untrennbar mit dem gedruckten Buch zusammen. Durch die Verweisfähigkeit entsteht ein Wissensnetzwerk, eine Verlinkung von Autoren und ihren Büchern. Und zu guter letzt ist das Lesen an sich bereits eins überaus interaktiver Prozess. Leser und Autor kommunizieren über das Medium des Textes. Der Autor versucht seinen Standpunkt so zu vermitteln, dass der Leser ihn versteht. Der Leser hingegen bringt sein eigenes Vorwissen in die Textrezeption ein: Er kann Leerstellen auf diese Weise überbrücken und sich seinen eigenen Standpunkt bilden.

Das gedruckte Buch ist dadurch in der Lage zu „lehren“. Es stellt dem Individuum Informationen bereit  und bietet Hilfen an, die den Lernprozess unterstützen und steuern. Es ermöglicht dem Lernenden besondere Erfahrungen zu sammeln, die den Aufbau kognitiver Wissensstrukturen fördern. Obwohl Lesen anstrengend ist, nimmt der Mensch diese hohen kognitiven Belastungen auf sich. Aus ganz unterschiedlichen Motiven, vielleicht aber auch, weil dem Buch eine ganz eigene Ästhetik innewohnt. „Das Buch ist ein sinnliches Ding“, es ist nahezu perfekt in seiner Gestalt.

Aber das Buch hat auch Schwachstellen. Diese liegen vorwiegend in seiner Materialität begründet. Offensichtlichere damit verbundene Probleme sind die der räumlichen Unterbringung, aber ebenso stellt die Selektion und Orientierung des Lesers innerhalb dieser „Informationsflut“ eine große Herausforderung dar.Darüber hinaus bietet das Buch auf Grund seiner materiellen Beschaffenheit wenig Innovationspotential, was seine räumliche und zeitliche Struktur betrifft. Das Buch ist ein lineares Medium. Format und Gewicht setzen der Gestaltung zusätzliche Grenzen, die nicht ohne weiteres überwunden werden können. Das gedruckte Buch ist ein geschlossenes System, dass keine nachträglichen Veränderungen, Korrekturen und Ergänzungen in seiner Grundstruktur zulässt. Es ist gebunden an aufwenige Produktionsprozesse und –zeiten, die seine Veröffentlichung  mehr oder minder verzögern.

Im 20. Jahrhundert hat das Buch aus diesen Gründen vielleicht nicht ohne Grund einen Konkurrenten an die Seite gestellt bekommen. Ich bin gespannt, welche Veränderungen sich durch die digitale Transformation des Buches ergeben. Das herauszufinden wird meine Aufgabe der nächsten Wochen sein.

Fortsetzung folgt…

Autor: Anna

Seit März 2011 studiere ich E-Learning und Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und schreibe dort aktuell meine Masterarbeit zum Thema "Enhanced E-Books als Lehrbücher". Zuvor habe ich meinen Bachelor in Informationsdesign an der Hochschule der Medien abgeschlossen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s