Lernen Interaktiv

Didaktische Typografie

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Bei meinen Recherchen zu „Gestaltung von Lehrbüchern“ bin ich auf den interessanten Begriff der didaktischen Typografie gestoßen.
Mein erster Gedanke: Muss jetzt sogar Typografie didaktisch sein? Als Liebhaber des schönen Wortes ist es für mich selbstverständlich, dass Texten ein Gestaltungskonzept, eine Struktur und eine Ordnung zugrunde liegen muss. Und ich finde , dass Schrift auch einfach schön aussehen darf (dann erfüllt sie nämlich meistens auch die oben genannten Punkte).

Oder um es mit den Worten des großen Typografen Kurt Weidemann zu sagen:

„Typographie ist Umweltschutz der Augen, die es zwar zu
öffnen und zu interessieren, aber nicht zu beleidigen und
zu verwirren gilt. Das Sichtbarmachen von Sprache in all
ihrer Ausdrucksvielfalt ist an den Grundzeichenvorrat des
Alphabetes und an die Gesetze des Sehens und Verstehens
gebunden.“ (6. Gebot der Typografie)

Mit Hilfe der didaktischen Typografie wird der Leser eines Lehrbuches aktiviert und motiviert, sich mit dem Text und den vermittelten Informationen auseinanderzusetzen und diese aufzunehmen. Der Begriff wurde im besonderen Maße durch ein Symposium geprägt, das anlässlich der Internationalen Buchkunstausstellung 1982 in Leipzig stattfand.

„Wir können dann vom Vorhandensein einer didaktischen Typografie sprechen, wenn das Individuum durch die Form des Druckwerkes zum Lesen angereizt, die Anordnung der Information deutlich wird und relevante Informationen mit angemessenem Aufwand gefunden und erfaßt werden.“ (Nadolski, 1984, S.12)

Mittel der didaktischen Typografie sind z.B.:

Makrotypografie Mikrotypografie
Inhaltsverzeichnis Marginalien
Kolumnentitel/ Kapitelüberschriften Schriftart
Stichwortverzeichnis Schriftschnitt (kursiv,halbfett, fett, Kapitälchen/Versalien)
Klappentext Schriftgröße
Farbige Hervorhebung
Zeichenwahl (z.B. Sonderzeichen); Art der Nummerierung
Umbrüche/ Absätze

Für meine Arbeit stellen sich folgende Fragen:

  • Bleiben typografische Konventionen für das digitale Lehrbuch gleich oder gibt es neue Formen?/ Fallen bestimmte Formen aus Darstellungsgründen weg?
  • Gewinnt didaktische Typogarfie zur Orentierung in digitalen Lesetexten sogar noch an Bedeutung?
  • Welchen Einfluss hat Typografie auf die Akzeptanz der Leser von E-Books?
  • Wer ist für didaktische Typografie bei E-Books eigentlich zuständig? Der Autor? Der Verlerger? Der Produzent? Oder: Könnte nicht der Leser selbst auch typografische Auszeichnungen nach seinen Bedürfnissen vornehmen?

Die Weidmannschen 10 Gebote gibt es übrigens bei der AGD als Poster zum kostenlosen Download. Gleich ausdrucken und übers Bett hängen!

Literatur:

Schlösser, B. (2012). Die Gestaltung moderner Lehrbücher. Baden-Baden: Nomos
Nadolski, D. (Hrsg.)(1984).Didaktische Typografie. Informationstypografie. Pädagogische Typografie. Leipzig: VEB Fachbuchverlag

Autor: Anna

Seit März 2011 studiere ich E-Learning und Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und schreibe dort aktuell meine Masterarbeit zum Thema "Enhanced E-Books als Lehrbücher". Zuvor habe ich meinen Bachelor in Informationsdesign an der Hochschule der Medien abgeschlossen.

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